STGS.201


STGS.201 ist ein Steganographie-Standard, welcher Daten in einem Text in natürlicher Sprache verschleiert, indem die Anzahl der Wörter in einem Satz binäre Ziffern darstellen.
 


Aufbau

Die Verschleierung erfolgt, indem ein Text verfasst wird, dessen Sätze in der Reihenfolge ihres Auftretens ein positives (1) oder negatives (0) Bit repräsentieren, abhängig davon, ob die Anzahl an Wörtern gerade (1) oder ungerade (0) ist.


Beispiel

Zu Verschleiern sei die Bitfolge 0110 1011 1010. Es muss ein Text formuliert werden, der in folgender Reihenfolge eine gerade oder ungerade Anzahl an Wörtern im Satz hat: uggugugggugu. Dieser vermeintliche Reisebericht als E-Mail vom Besuch der Stadt Hamburg hat exakt die Anzahl an Wörtern, welche die oben genannte Bitfolge steganographisch darstellt:

1 Der Tagesausflug in Hamburg war wirklich schön! 2 Eigentlich wollte ich nur das Ersatzteil aus dem Fachgeschäft abholen, aber dann entschloss ich mich, eine Hafenrundfahrt zu machen, und als ich die Stadt dann sah, wollte ich noch etwas länger bleiben. 3 Weil mein Ticket ohne Zugbindung war, ging dies auch problemlos. 4 Und weil ich ein Tagesticket hatte, bezahlte ich für das restliche Erkunden der Stadt nichts. 5 Als erstes sah ich die evangelische St. Michaelis Kirche an. 6 Der Turm, den ich auch gerne besichtigt hätte, war mir leider zu hoch. 7 Aber ich fuhr danach zur HafenCity, welche ich ebenfalls sehr beeindruckend fand. 8 In der Speicherstadt wollte ich gerne das Miniatur-Wunderland ansehen, aber ich befürchtete, dass dafür zu wenig Zeit war. 9 Dort sah ich mir auch das bekannte Wasserschloss an, und fotografierte es, siehe Anhang. 10 Ziemlich schnell wurde es auch schon Abend. 11 Ich fuhr deshalb allerdings nicht zur Reeperbahn, sondern wieder zurück zum Hauptbahnhof, und fuhr mit dem ICE zurück nach Lüneburg. 12 Obwohl Hamburg nicht allzu weit von mir entfernt liegt, werde ich dort sicherlich auch mal für mehrere Tage hinfahren.



Abb. 1: Darstellung des Steganogramms als typische Privatnachricht auf Facebook.

Merkmale

Das Steganographie-Verfahren STGS.201 ist relativ ineffizient, indem die Dichte der steganografischen Daten niedrig ist. Allerdings hat eine niedrige Dichte steganographischer Daten auch den Nebeneffekt, dass das Trägermedium natürlich wirkt, und - insb. bei Texten - wenig Kreativität erforderlich ist, um einen einzelnen Satz zu verfassen.

Anmerkungen

In dem Beispiel wird unter anderem ein Datei-Anhang erwähnt, welcher keine unmittelbare steganographische Bedeutung hat, allerdings von seiner Relevantnis nicht vollkommen zu unterschätzen ist, da er dazu beiträgt, dass die Nachricht wie ein echter Reisebericht wirkt, da es hierbei üblich ist, ein Foto zu versenden.


Hinweise bei der Nutzung

Oft genügt es, den ersten/nächsten Satz zu verfassen, der logisch im Bezug auf die vermeintliche Bedeutung des Textes (im Beispiel der Reisebericht) anschließt, und darauf die Anzahl der Wörter zu zählen. Mit einer Chance zu annhähernd 50 Prozent ist die Zahl bereits wie erforderlich gerade oder ungerade, und es kann direkt der nächste Satz verfasst werden. Ansonsten ist es sinnvoll, nach Füllwörtern wie "ja" oder "eigentlich" zu suchen, und hiervon eine ungerade Anzahl (meist eins) zu entfernen, um die Parität zu ändern. Wenn ein solches Wort nicht vorhanden ist, kann es an eine beliebige Stelle eingesetzt werden. Kommt dies nicht in Frage, da zu der vorzutäuschenden Situation nur eine sehr förmliche Ausdrucksweise passend ist, sollte ein Blick auf Adjektive wie "bekannt" oder "groß" geworfen werden, die entweder eingesetzt oder entfernt werden können, um die Parität anzupassen. Als letzte Möglichkeit sei noch erwähnt, dass eine Formulierung wie "ich befürchtete" durch eine synonyme ersetzt werden kann, etwa "ich musste annehmen".



Medien

Text:
Brief, Eilbrief, Telegramm, Telebrief, Telefax, Telex, E-Mail, UseNet, IRC, WWW, Forum, Blog, Social Media, Wiki, SMS, EMS, MMS, Pager, Paket Radio.

Audio: Telefon, Rundfunk, Sprachfunk, Audiomitteilung, Mailbox, Tonträger.

Bild: (Abbildungen von Texten über sinnvolle Telekommunikationsmedien)

Video: (Darstellungen von Texten über sinnvolle Telekommunikationsmedien oder Tonspur von Video)